Schulchronik 1893 – 1907 von Lehrer Franz Kroh

Ein exqisiter Einblick in ein exquisites Protokoll mit einer exquisiten Brille in den Schul-Betrieb in Freienohl zur Lehrer-Dienst-Zeit in Freienohl  1919 - 1963


Vorliegend in seinem Archiv im Stadtarchiv Meschede in Grevenstein. Biographische Daten am Text-Ende.                     
Diese Schul-Chronik wurde geschrieben vom Freienohler Pfarrer und Ortsschulinspektor Julius Falter und fortgesetzt vom Freienohler Pfarrer und Ortsschulinspektor Karl Steimann. – Ob und an welchen Stellen Lehrer Franz Kroh Einfügungen anderer Quellen und persönliche Zwischenbemerkungen gemacht hat, ist am Schreibmaschine-Text nicht feststellbar. – Die in dieser folgenden  vorliegenden Abschrift kursiv geschriebenen Einfügungen, Erläuterungen sind von H.P.
Diese Schulchronik nimmt ihren Anfang mit dem Jahr 1893; jedoch soll, soweit es die Akten und das Gedächtnis des Chronisten, des Pfarrers und Ortsschulinspctors Falter gestatten, die Hauptsache von 1884 an nachgeholt werden. In dem genannten Jahr waren die Schulen hier schlecht. Die Kinder betraten ärmlich und nachlässig gekleidet die Schulzimmer. Die Reinlichkeit ließ viel zu wünschen übrig. Taschentücher waren unbekannt. (Mit Schulen, Schule sind damals auch die Klassen, Klassenzimmer gemeint. Oft sind Wörter mit „c“ geschrieben, später mit „k“.)

Auch die Leistungen in den Schulen blieben hinter dem Gewöhnlichen zurück. Der erste Lehrer Linkamp wurde auf die Mittelklasse versetzt und die obere Knabenklasse einem fleißigen und geschickten, aber noch unerfahrenen Lehrer Brüggemann anvertraut.
Der Mädchenklasse stand die Lehrerin Elisabeth Ernst aus Warstein vor; sie war ihrer Stellung nicht gewachsen. Denn abgesehen davon, dass sie schwach und kränklich war, bestand ihre Klasse, welche 98 Kinder zählte, aus 5 verschiedenen Jahrgängen. Auch wurden ihr die Kinder schlecht vorbereitet übergeben, da der Lehrer Linkamp, welcher in der Unterklasse durchschnittlich 120 Kinder zu unterrichten hatte, Halbtags-Unterricht erteilte und wegen seines vorgerückten Alters mit der Methode des den Lernanfängern zu erteilenden Unterrichts nicht genügend vertraut war. Auch schien derselbe am Unterrichten wenig Freude zu haben, was in dem Umstande, dass er der Reihe nach Lehrer, Postbeamter, Wirt und wieder Lehrer gewesen war, seine Bestätigung findet. Zum allgemeinen Bedauern herrschte zudem zwischen ihm und seinem Vorgänger einerseits und dem hiesigen Pfarrer Adams andererseits fortwährend Streit, welcher stellenweise skandalös war und auf die Schule nicht ohne nachteiligen Einfluss blieb.
Im Ganzen genommen war der Zustand der Schulen ein solch trauriger, dass sich die Königliche Regierung veranlasst sah, dieselben am 10. Juni 1886  durch den Herrn Regierungs-Rat Dr. Rohs und den Herrn Kreisschulinspector Schürholz (Pfarrer), beide in Arnsberg, einer gründlichen Revision zu unterwerfen. Das Ergebnis dieser Prüfung war der eben angegebene Befund, sowie der Beschluss, dass die Lehrerin Ernst, ihrem Antrag entsprechend auf eine leichtere Stelle versetzt und zum nächsten Herbst eine vierte Lehrkraft berufen werden sollte.

Als solche erblickte denn Frl. Lehrerin Böhmer aus Holtum, Pfarrei Büderich, hier zum Herbst 1887 das Licht der Welt. Die Anstellung derselben war zwar für die Gemeinde bei einer Communalsteuer von 200 % und einer Kirchensteuer von 30 % hart: jedoch wusste man sich langsam in das Notwenige und Unvermeidliche zu fügen, da eine Besserung des Schulwesens allseitig gewünscht wurde.
Mit ihrem Eintritt wurde das System ein Dreiklassiges der Art, dass die Sammelklasse die zwei ersten Jahre, die Mittelklasse die zwei folgenden und die obere die vier letzten Jahrgänge umfasste.
Des Weiteren ist aus diesem Dezennium wenig zu melden, nur kann noch mitgeteilt werden, dass ein häufiger Personenwechsel unter den Lehrkräften stattfand.

Herbst 1886 ging Lehrer Brüggemann von hier in seine Heimat Niederberge, wo er bald nachher an Typhus gestorben ist. Bei seinem Abschied waren die Türen der Schule in nicht wiederzugebender Weise besudelt und die Schlösser vollgestopft: eine gemeine Handlungsweise, welche, welche auf die unbekannt gebliebenen Täter zurückfällt. Da der Lehrer wegen seiner großen Berufstreue über solche Anfeindungen hoch erhaben war. - Der Pfarrer in Freienohl hat sein Arbeiten dadurch geehrt, dass er ein Seelenamt für ihn gehalten und seinen Namen ein Jahr lang auf den Totenzettel gesetzt hat.

Sein Nachfolger war der Lehrer Arens aus Faulebutter, welcher sich zwar in der Schule gut, außerhalb derselben aber schlecht geführt, da er die unverehelichte Dina Trumpetter zum Fall gebracht und ein Kind mit ihr gezeugt hat. Er wurde Herbst 1888 nach Altenhagen bei Hagen versetzt. An seine Stelle trat am 1.11.1888 der Lehrer Tillmann aus Sümmern, Kreis Iserlohn, welcher durch sein würdiges Betragen den Fehler seines Vorgängers einigermaßen wieder gut gemacht hat. Er wurde auf seinen Antrag nach Castrop versetzt und erhielt in dem Lehrer Hahne am 6.4.1891 aus Scheidingen bei Werl gebürtig, einen allem Anschein nach würdigen Nachfolger. Am 13. August 1890 wurde des Morgens nach der Hl. Messe in Gegenwart des Schulvorstandes und der Lehrkräfte mit den Schulkindern die an der Rumbecker Landstraße (später: Hauptstraße)  belegene von dem Unternehmer Kaspar Rocholl erbaute neue Schule von dem Pfarrer Falter feierlich eingeweiht.

Im Herbst 1889 wurde die Lehrerin Böhmer von hier wider (gegen) ihren Willen nach Winterberg versetzt, da sie Parteiungen hierselbst (hier) hervorgerufen hatte. Ein seitens der politischen Gemeinde-Vertretung aus diesem Anlass an die Königliche Regierung in Arnsberg gerichteter Antrag auf Entlassung des Pfarrers Falter aus dem Schulvorstand wurde abgelehnt.
An ihre Stelle trat am 15. Oktober 1889 die Lehrerin Maria Hoffmann, aus Winterberg gebürtig, aus Neheim.
Als zweite Lehrerin wurde am 23. Januar 1889 Frl. Agnes Hermann aua der Pfarrei Castrop hier angestellt. Die Vereidung erfolgte am 1. März 1889.

Herbst 1892 schied durch Pensionierung der erste Lehrer und Küster Linkamp aus, an dessen Stelle der Lehrer Jacob Hatzig aus Iseringhausen, Kreis Olpe, seitens der Hufenbesitzer hierselbst gewählt und sowohl von der weltlichen als auch von der geistlichen Behörde bestätigt wurde.

In diese Zeit fällt noch eine Beschwerde des Königlichen Eisenbahn-Betriebs-Amtes in Cassel (Kassel) über das Werfen mit Steinen nach einem fahrenden Zug durch Schulknaben (Verf. Vom 19.6.1888, Nr. III a 519 2/1) und eine des Königlichen Amts-Anwalts in Arnsberg vom 16.3.1892 über das Entwenden abgelagerten Holzes bei der Linneborn´schen Fabrik.

1893
In diesem Jahre wurde mit der Abhaltung von Parochial-Conferenzen begonnen und vierteljährig eine solche abzuhalten beschlossen mit Lehrprobe. Am 12. Mai 1893 wurde die erste in der oberen Mädchenklasse abgehalten und zwar von der Lehrerin Hermann über den Lauf des Rheins; am 7. Juli 1893 von der Lehrerin Hoffmann in der oberen Knabenklasse über die an den Rhein-Strom sich anknüpfenden Sagen; am 5. September 1893 von dem Lehrer Hatzig in der Mittelklasse über das Feldhuhn und am 2. November 1893 von dem Lehrer Hahne in der Sammelklasse über die Verkündigung der Menschwerdung Xsti (Christi).
In der benutzten Kopie vom Original-Text folgt die Seite 4, die fehlt leider. In dieser Kopie folgt – jeweils oben auf der Seite geschrieben - die Seite 5. Darin das nächste Jahr: 1894.
… die Genehmigungs-Verfügung nach Datum und Nummer (Fibel 6.2.1891  B  II.1202 Lesebuch für Mittel- und Oberklassen 8/V  1890  B II.3880 eingetragen werde.

Die Königliche Regierung hat unterm 29.11.1893 B II  18107 verfügt, dass Schaustellungen in den Schulen vor den Schulkindern nur nach vorheriger ausdrücklicher Genehmigung des Kreis-Schulinspectors zuzulassen sind. Die Genehmigung soll nur in solchen Fällen erteilt werden, in welchen die Vorführung von wirklichem Werte für die Belehrung der Kinder ist, nicht aber lediglich der Unterhaltung dient.

Ob die zugelassenen Schaustellungen während oder außerhalb der Schulstunden stattfinden sollen, haben die Ortsschulinspektoren bzw. Hauptlehrer (Titel der Schulleiter) zu bestimmen.
Desgleichen unterm 27. Dezember 1893 B  II.18994, dass die Lehrpersonen aus Anlass ihres Geburts- oder Namenstages von den Kindern oder deren Angehörigen keinerlei Geschenke annehmen dürfen (Sachse 96).
In diesem Jahr wurden sechs Parochial-Konferenzen abgehalten: nämlich: zwei von dem Pfarrer über die Vorbereitung der Kinder zur ersten Hl. Beichte (in der Fastnacht- und Karwoche); in der oberen Mädchenklasse am 8. März von dem Lehrer Hatzig über die Erklärung eines Lesestückes; am 3. Juli in der Klasse des Lehrers Hatzig seitens der Lehrerin Hermann über das Vervielfachen der Dezimalbrüche; am 6. August in der Klasse der Lehrerin Hermann über die Division der Dezimalen seitens des Lehrers Bahne und am 3. Dezember in der Klasse des Lehrers Hatzig über dasselbe Thema. Die Lehrprobe wurde von dem Klassenlehrer selbst vorgenommen.

Bei Gelegenheit der Verkoppelung wurde auf Befehl der Regierung für die 2 Lehrerstellen im Ganzen etwa 50 aro Morgen als Schuldotation ausgeworfen, von welcher seitens des Schulvorstandes in der Sitzung am 13. März dem ersten Lehrer Fl. III Nr. 88 in der Slade (Flur: Schlade) (Wert 50 Mark), dem zweiten die Kaiserwiese und Hohe Fohr (674…) überlassen wurden.
Für diese Zuweisung wurden ihnen je 30 Mark in Anrechnung gebracht.
Mit der diesjährigen Versetzung war in der Mittel- und Sammel-Klasse eine Lehrprobe verbunden. In der Mittelklasse wurde dieselbe in Aufsatz vom Lehrer Hatzig über die Ziege und im Rechnen von der Lehrerin Hermann über den Zahlenkreis 1 – 1000 vorgenommen. Das Resultat war ein günstiges, da sämtliche Kinder versetzt wurden. Zwar hatten 4 Knaben den Standpunkt nicht erreicht, jedoch wurde ihrer Versetzung keine Schwierigkeit bereitet, da sie von dem Klassenlehrer teilweise bildungsunfähig bezeichnet wurden.

Dasselbe gilt von der Klasse der Lernanfänger, in welcher Herr Bahne den Zahlkreis 1 – 100 und die Lehrerin Hermann ebenmäßig die kirchliche Lehre über das 6 Tagewerk und die Engel behandelte.
Am 7. Mai wurde die Lehrerin Emma Wahsermeyer aus Iserlohn angestellt durch Verfügung der Königlichen Regierung vom 13. März 1894  B  II.5288 an Stelle der nach Hüsten versetzten Lehrerin Liedhegener, von dem Ortsschulinspector Pfarrer Falter vereidigt und in ihr Amt eingeführt.

Am 14. Und 16. Dezember wurde seitens des Schulrats Hüser die amtliche Revision vorgenommen. Dieselbe hatte laut Verfassung an den Pfarrer Falter d.d.6.1.1895 Nr. 2 ein günstiges Resultat.

1895
Am 21. Januar wurden in der Wohnung der Lehrerin Hermann die Themata der auf den diesjährigen Parochial-Konferenzen zu behandelnden Lehrproben festgesetzt und zugleich bestimmt, dass in Zukunft in Anschluss an dieselben ein freier Vortrag über ein vorher zu wählendes Thema seitens des Lehr-Personals im Conferenz-Zimmer des Vereinshauses (Hellmann, neben dem Ärztehaus – Dr. Breuckmann) gehalten werden solle.
Der Anfang wurde von Pfarrer Falter über das Thema „Ob und weshalb die Achtung von den Lehrkräften im Volke in der Abnahme begriffen sei“. Vergleiche: „Katholische Schulkunde 1894 Heiligenstadt Nr. 19“. – Den zweiten Vortrag hielt der Lehrer Hatzig über die Kollegialität des Kollegiums; den dritten die Lehrerin Hermann über das Thema, was die Schule zur Beförderung (positiv gewichtet!) tun könne; den vierten der Lehrer Bahne über die Frage, wie sich der Lehrer die Liebe der Schüler erwirbt.
Das Programm der Conferenzen mit Lehrprobe war überhaupt folgendes: Frl. Wahsermeier: Klasse Bahne, Lehrprobe: Königin Auguste; vortragender Rat, Lehrer Hatzig (Februar). – Lehrer Bahne: Klasse Hatzig: Turnübungen; vortragende Rätin: Lehrerin Hermann (Juni). – Lehrerin Hermann: Klasse Wahsermeier. Über Anschauungs-Unterricht; Vortrag: Lehrer Bahne (August). – Lehrer Hatzig: Klasse Hermann: Über das Gold im Minoralbereiche; Vortrag Lehrerin Wahsermeier (November). -  Durch Varf. (?, Verf.) des Kreisschulinspectors wurden der hiesigen Schule 4 Schriften über Kaiser Wilhelm II. von Hoffmeyer überwiesen, mit denen die Knaben der Oberklasse Johann Becker, Franz Mester, Norbert Weber und Franz Höhmann II prämiert wurden.
Die Decanats-Geistlichkeit in Dortmund hat das Schriftchen wegen einer Lobhudelei auf die Segnungen der Reformation zur Verteilung in den Schulen der Mark für ungeeignet bezeichnet.
(1896, nicht ausdrücklich angegeben)
Als Novum wurde in diesem Jahr das Kinderfest, eine aus Liedern und Declamationen, zumeist auf das Xfest (Christfest, Weihnachten) bezüglich bestehende Feier eingeführt. Dieselbe wurde im großen Saal des Vereinshauses (Hellmann) abgehalten und zwar unter Teilnahme sämtlicher Schulklassen und der Eltern resp. (respective: bzw.) Angehörigen der Kinder.
Desgleichen wurde die Prüfung der Abiturienten zum ersten Male öffentlich im großen Saal des Vereinshauses unter Teilnahme des Schulvorstandes und der Eltern in gleichzeitiger Mitwirkung des gesamten Lehrerpersonals am 9. April 1895, Dienstag in der Charwoche (Karwoche) abgehalten.
Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Parochial-Konferenzen (Lexikon: Konferenz in einem / für einen Pfarr-Bezirk, Pfarrei-Bezirk) und die Reichhaltigkeit der zu besprechenden Sachen wurde beschlossen, dass vom nächsten Jahre ab jedoch ohne vorhergehende Lehrprobe alle 3 – 4 Wochen eine Conferenz abgehalten werden solle, aber mit einem Vortrag.
Am 1. Mai 1896 wurde die Lehrerin auf ihren Antrag nach Gelsenkirchen versetzt und die Lehrerin Elise Müller aus Wennemen (gebürtig aus Uentrop) nach hier beorert. – Dieselbe am 2. Dezember 1893 in Wennemen bereits vereidigt, wurde am 1. Mai durch den Pfarrer Falter in ihr Amt eingeführt und nach Eingang der Acten am 11. Gen. M. von neuem verpflichtet.
Durch Verfügung der Königlichen Regierung zu Arnsberg vom 20.6.1896 B.II.10163 wurde Lehrerin Wahsermeier definitiv angestellt.
Im Monat Juli fand auf Befehl des Hohen Staatsministeriums eine schulstatistische Erhebung statt, welche folgendes Resultat ergab. Die Gesamtzahl der Schüler betrug 307 Stück (nana!), unter denen 1 evangelische und 3 jüdische. Knaben 154, Mädchen 153.  Das Stellen-Einkommen beträgt: 1. Für den ersten Lehrer incl. (inclusive: einschließlich) der Einnahmen ad (zu, an) 384 Mark aus der Küsterei 1.890 Mark. 2. Für den zweiten Lehrer 1380 Mark. 3. Für die erste Lehrerin 1020 Mark.  4.) Für die dritte Lehrerin 965 Mark. – Der Wert der Wohnung á 180 Mark für jeden Lehrer, á 120 Mark für jede Lehrerin ist eingeschlossen, desgleichen der in Geld gewährten Feuerung ad 60 resp. 45 Mark.
Der Lehrer Hatzig hat den Obstbaum-Kursus in Laasphe mitgemacht und eine staatliche Beihülfe erhalten (ü damals korrekt).
Anfangs Oktober wurde die Schülerin Anna Wiese aus Olpe als Präparandin zu den Ursulinerinnen in Erfurt entlassen, seitdem sie seit Ostern 1895 von den hiesigen Lehrkräften in Gemeinschaft mit dem Pfarrer Falter vorbereitet war.
Die hiesigen Parochial-Lehrer-Konferenzen wurden von 1896 an folgender Maßen abgehalten: I.) 14. Februar in der Sammelklasse. Lehrprobe: Lehrer Bahne über die Vervielfachung mit 9 unter Veranschaulichung durch die Rechenmaschine. – Vortrag Wahsermeier über Katechese und Eucharistie. – II.) 19. Juni in der Mittelklasse. – Lehrprobe Lehrerin Wahsermeier über das Kräutlein Geduld . – Vortrag Bahne über die Behandlung stotternder Kinder. – III.) 8. September in der oberen Knabenklasse. – Lehrprobe Frl. Müller über König Heinrich IV. – Vortrag Hatzig über den Nutzen der Konferenzen. – IV.) 19. Dezember in der oberen Mädchenklasse. – Lehrprobe: der Lehrer Hatzig über das Kirchenjahr im Allgemeinen und über den Weihnachtsfestkreis insbesondere. – Vortrag Müller über die Frage, wie der Lehrer das Interesse der Kinder wecken könne.

1897
Am 21., 22. Und 23. März wurde auf Königlichen Befehl die 100-jährige Geburtstagsfeier weiland Kaisers Wilhelm I. gefeiert und zwar am 22. Seitens der Schulen nach Art der sonst üblichen Kaiser-Geburtstags-Feier. – Bei dieser Gelegenheit wurden zwei Büchelchen von von Lilienkron verteilt, in denen die Verherrlichung des Kulturkampfes vorkommt (der Nebensatz ist handschriftlich unterstrichen).
Am 11. November cr. (im laufenden Jahr: 1897) starb in Burgwenden bei Colleda in Thüringen der ehemalige Lehrer und Organist hier Joseph Linkamp. Derselbe hatte infolge eines Schlaganfalls zu Ostern sowohl den Verstand als auch den Gebrauch seiner Glieder verloren, sodass er wie ein Kind gefüttert werden musste. Rt ist auf Dom. dedis. eccl. ebrt. Begraben. R.i.p. (Requiescat in pace – Er möge ruhen im Frieden).
Mit dem 1. November cr. (des laufenden Jahres) wurde der Lehrer Bahne von hier nach Letmathe versetzt und der Schulamtsbewerber Albert Steinem aus Hagen in Westfahlen (geboren in Hoerde) durch Regierungs-Verfügung d.d. 11. November B II 20364 an seine Stelle geschoben. Die Einführung und Vereidigung desselben fand in Gegenwart des Schulvorstandes durch den Ortsschulinspector Pfarrer Falter statt den 26. November mittags 3 ¼ Uhr.
An Parochial-Konferenzen wurden gehalten: I.) 2. März ohne Lehrprobe. Vortrag des Pfarrers Falter über die Grundsätze bei der Ausschulung der Kinder. – II.) 6. April bei Lehrerin Wahsermeier. Lehrprobe: Lehrerin Müller über den Star des Jägers Moritz Nr. 88. Vortrag der Lehrerin Wahsermeier über die Notwendigkeit der Geduld des Lehrers. – III.) 3. Dezember bei Lehrerin Müller. Lehrprobe der Frl Wahsermeier über die Auferweckung des Jünglings zu Naim. – Anstatt der Lehrprobe  Festsetzung des Programms für das Kinderfest. – IV.) 11. November bei Lehrer Steinem 1893 in der Mittelklasse. Lehrprobe Lehrer Hatzig über die Behandlung eines Lesestückes. Vortrag der Frl. Müller über die Art und Weise, wie die Schule schwachen Kindern nachhelfen könne.

1898
Mit Ende des Winter-Semesters haben uns beide Lehrerinnen Elisabeth Müller und Emma Wahsermeier verlassen; die Letzere ist auf ihren Antrag nach Gelsenkirchen versetzt, während die Erstere aufgrund einer unliebsamen Sprecherei ihre Entlassung eingereicht und erhalten hatte. Es ist derselben Elisa Müller durch das Couvert des Pfarrers Falter sc. Ein offenes Schreiben der Regierung zugegangen, welches folgenden Wortlaut hat:
„Arnsberg, den 2. Mai 1898 : Da Sie nach unseren Ermittlungen durch das Entlassungsgesuch vom 25. April cr. der Verhängung der Disziplinarstrafe zuvorkommen wollen, so würden wir Sie für den Fall Ihrer Entlassung aus dem öffentlichen Schuldienste gemäß Erlass des Herrn Ministers der Geistlichen Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten vom 27. Mai 1895  Li.III.C.707 als eine auf Grund der ihr zur Last gelegten Vergehen entlassene Lehrperson anzusehen haben und würden Sie dementsprechend behandelt werden, wenn Sie später sich um Wiedereinstellung bemühen wollten. – Sie wollen umgehend eine Erklärung einreichen, ob Sie unter diesen Umständen Ihr Entlassungsgesuch aufrechterhalten.  – B. II. 8757  -  Michaelis“
Auf vorstehendes Schreiben hin hat sie ihr Gesuch aufrechterhalten und mit der beabsichtigten Verheiratung motiviert. d.d. 7. Mai cr. -   Hierauf wurde unter Nr. B 9500 d. 12.5. ihre Entlassung verfügt und ihr Gesuch um Wiedereinstellung unterm 4.6.1898  B. 10679 abgelehnt. – Am 22.8.1900 hat sie eine neue Anstellung in irgendeiner Provinz des Vaterlandes nachgesucht.
Hier sei angemerkt: weitere Einzelheiten, konkrete Einzelheiten, Hintergründe, mögliche Motivationen, mögliche Fehldeutungen zum „Fall Pfarrer Falter mit einzelnen Lehrerinnen“ sind hier nicht aktenkundig. Freilich in anderen Textfassungen, z.B. „Frau, Frauen, Freienohlerinnen“. – Und siehe unten: „zu Ostern 1890…“
Das Lehrer-Besoldungsgesetz:
Vom 3. März 1897 findet für Freienohl in flg. (folgender) Besoldungsordnung seine Anwendung nach Beschluss des Schulvst. (Schulvorstandes) vom 19. März 1898:
I.)Das Grundgehalt beträgt vom 1.4.1997 ab: a) für jede Lehrerstelle: 1200 Mark; b) für jede Lehrerinstelle: 900 Mark. - Das Grundgehalt erhöht sich für Rectoren um 200 Mark, für Hauptlehrer (§ 2 Abs. 2 des Gesetzes) um 100 Mark. -  II.) Die Besoldung der einstweilig angestellten und noch nicht 4 Jahre im öffentlichen Schuldienst stehenden Lehrer beträgt 1000 Mark, während die Lehrerinnen jedoch sogleich das volle Grundgehalt beziehen. -  III.) Bei dauernder Verbindung eines kirchlichen Amts mit einer Schulstelle soll es hinsichtlich der Erhöhung des Grundgehaltes bei den bisher geltenden Bestimmungen einstweilig bewenden bleiben. – IV.) Die Höhe der Alterszulagen soll betragen: a) für Lehrer jährlich 140, steigend von 3 zu 3 Jahren bis auf jährlich 1200 Mark. – b) für Lehrerinnen jährlich 100 Mark steigend von 3 zu 3 Jahren um 100 Mark bis auf jährlich 900 Mark. – V.) Zur Entschädigung für eine nicht gewährte Dienstwohnung sollen gezahlt werden: a) für definitiv angestellte 4 Dienstjahre besitzende Lehrer mit einem Hausstande jährlich 180 Mark, für die anderen Lehrer und Lehrerinnen je 120 Mark. – Genehmigt: Arnsberg d.d. 22.4.1898 B.II.5617. Königliche Regierung.
Zu Ostern 1898 wurden die beiden Lehrerinnen von hier versetzt. Die eine, Lehrerin Wahsermeier, kam auf ihren Wunsch nach Gelsenkirchen; die andere, Lehrerin Müller, welche in der Bittwoche des Jahres in der Frauenklinik des Dr. med. Wenner in Düsseldorf ein Knäbchen geboren hat, ist ebenfalls auf ihren Antrag aus dem öffentlichen Schuldienst entlassen.
An deren Stelle sind angestellt die Schulamtsbewerberinnen Maria Pape aus Lügde, geb. 25. Mai 1876; angestellt durch Verf. d.d. 20. Mai 1890 B.II.6775; vereidigt vom Ortsschulinspektor Falter am 20. Juni cr. -  Anna Brockmeier aus Paderborn, geb. 10. August 1878; angestellt durch Verf. d.d. 8. Juni 1898 B.II. 10408; vereidigt wie vorstehend den 27. Juni cr.
An Parochial-Konferenzen wurde mit Rücksicht auf den eingetretenen Personenwechsel (cf. oben) neben der Konferenz am 11. November nur noch eine gehalten. Dieselbe fand den 6. September in der Klasse des Lehrers Hatzig statt. Die Lehrprobe hielt Lehrer Steinen über das Königreich Sachsen (Geographie); ein Vortrag wurde nicht gehalten, jedoch von dem Pfarrer (Falter) eine Belehrung über die „Gleichgültigkeit“ des Lehrers angehängt, welche durch Unpünktlichkeit in Ausstellung der Schulentlassungszeugnisse verursacht war.
An Ausflügen wurden neben einem gemeinschaftlichen Gange sämtlicher Schüler in die Waldbeeren rin solcher der oberen Knabenklasse auf 2 Leiterwagen am 8.9.1898 unter Beteiligung einiger Bürger nach der Bilsteinhöhle gemacht.
Im letzten Vierteljahr funktionierte (!) als Vertreterin des in Cassel exerzierenden Soldaten-Dienst) Steinen die Bewerberin Vohs aus Menden.

1899
Die erste diesjährige Lehrprobe wurde von der Lehrerin Brockmeier und zwar in ihrer eigenen Klasse über Friedrich den Großen am 20. März abgehalten. Mit derselben war zugleich die Entlassungs-Prüfung verbunden. Zuvor in der Art, dass die Schülerinnen der Oberklasse, welche nicht zur Entlassung kamen, nach der Lehrprobe das Schullocal verließen. – An beiden Prüfungen nahmen sämtliche Lehrpersonen teil, ohne jedoch mitzuwirken.
Leitung von Gesangvereinen durch den Ersten Lehrer, hier betreffend, welcher zugleich Küster und Organist ist. Am 11. Mai kam der Lehrer Hatzig ohne Wissen des Pfarrers (!) bei dem Kreisschulrat in Arnsberg um die Erlaubnis ein, die 2 hiesigen Gesangvereine, „Cäcilia“ und „Liedertafel“ leiten zu dürfen, und erhielt dieselbe provisorisch und widerruflich. Gegen diese Genehmigung nahm der Pfarrer zunächst in seiner Eigenschaft als Ortsschulinspector Stellung, da das Gesamtverhalten (Gesundheit pp.) des Hatzig diese nebenamtliche Tätigkeit nicht erlaube. (Kenner der Narzissmus-Psychologie / Psychopoltik schmunzeln.)  Der Schulrat. Hierdurch stutzig geworden, erbat unterm 1. Juli 1899 Nr. 921 ein Gutachten des Schulvorstandes. (Der Schulvorstand ist nicht identisch mit dem Ortsschulinspeltor.)  In der Sitzung am 7. Juli wiederholte der Pfarrer zunächst die bereits schriftlich dem Schulrat eingereichten Gedanken, protestierte aber zugleich in seiner Eigenschaft als Pfarrer, da er dem Schulrat das Recht bestritt, einseitig ohne Einwilligung des Pfarrers über den Hatzig zu verfügen, weil derselbe auch Kirchen-Beamter sei. Es wurde mit Umgehung der prinzipiellen Frage beschlossen, die Übertragung keines Vereins zu empfehlen. Da dem Hatzig seitens des Schulrats durch Verfügung Nr. 1028 d.d. 29. Juli cr. (1899) die Leitung beider Vereine verboten war, drängte sich nunmehr die Frage auf, ob dieses Verbot sich auch auf die Leitung eines Kirchen-Chores überhaupt, wie er durch Bischöfliche Verordnung für alle Pfarreien vorgeschrieben ist, erstrecken solle. Auf eine diesbezügliche Anfrage d.d. 12. September cr. ist durch Verfügung des Schulrats unterm 2. Oktober Nr. 1260 gestattet, dass der Hatzig die Leitung des Kirchen-Chores wieder aufnehmen dürfe. –
Durch Verfügung der Königlichen Regierung d.d. 8. August cr. B II Nr. 4341 II wurde der am 25.10.1880 zu Hillmicke bereits vereidigte Lehrer Joseph Fritz Eickelmann zum 1. Oktober cr. an die Mittelklasse hier als Lehrer versetzt und am 25. in sein Amt eingeführt, da sein Vorgänger Steinen versetzt wurde nach Mellen bei Balve.  Eickelmann kam von Balve-Mellen und war der erste verheiratete Lehrer an der Mittelklasse. Als Empfehlung wurde dem Eickelmann eine Verfügung des Schulrats Hüser d.d. 8.12.1899 Nr. 1546 II an die beiden Präsides des Schulvorstandes hier nachgeschickt, nach welcher gegen ihn von der Königlichen Regierung unterm 25.11. cr. B II 58/6 wegen verschiedener Pflichtwidrigkeiten eine Ordnungsstrafe von 45 Mark festgesetzt ist.  (Inhalte sind hier nicht aktenkundig.)
Am letzten Schultag vor Weihnachten wurde auf Befehl des Ministers Verfügung Nr. A I. 4801 d.d. 16. Dezember der Schluss des Jahrhunderts in einem Schulact begangen, Kindern ans Herz gelegt, dass sie das Erbe der Väter befördern und wahren sollen.

1900
Im Laufe dieses Jahres wurden folgende Konferenzen abgehalten: I. Den 22. Oktober 1899 in der Klasse des Lehrers Hatzig, bei welcher der Hatzig die Berechnung der Körper unter Veranschaulichung derselben vornahm. (Welche Körper gemeint sind, ist nicht aktenkundig, auch nicht das Unterrichtsfach. Bitte schmunzeln!) Den Vortrag hielt Lehrerin Brockmeier über die Frage, wie die nötige Ruhe in der Schule zu erhalten sei. (Aus dem Jahr 2017: „Auch damals schon wichtig!“) – II. Den 29. März 1900 in der Klasse der Lehrerin Pape. Lehrer Eickelmann behandelte das „Schneeglöckchen“ aus der 2. Fibel, während Lehrerin Pape über das Gebet als Erziehungsmittel sprach. – III. Den 30. November 1900 in der Klasse der Lehrerin Pape und zwar bei der unteren Abteilung. Die Lehrerin Pape nahm selbst den Anschauungsunterricht über die „Schafherde“ vor, während Lehrer Hatzig einen Vortrag hielt „Über des Lehrers Geduld“. (Wohl mit den Schulkindern. Auch mit dem Ortsschulinspektor?) – IV. Den 18. März 1901 in der Klasse der Lehrerin Brockmeier, bei welcher der Lehrer Hatzig die Insel Helgoland beschrieb und die Reise dorthin auseinandersetzte. Im Anschluss an dieselbe (Lehrprobe) gab die Klassenlehrerin selbst eine kurze Übersicht der Provinzen unseres Königreiches  und stellte einige gangbare Fragen in Bezug auf unser Königshaus. (Diese „gangbaren Fragen“ und ihre Begründung sind nicht aktenkundig.) – Nach Schluss derselben trug der Lehrer Eickelmann eine Arbeit über „die Anleitung der Kinder zum religiösen Leben“ vor, welche sich mit den 3 Fragen beschäftigte, wie das Kind zum Gebet, zur Teilnahme am Gottesdienst, zum Empfang der ersten Hl. Beichte vorzubereiten sei. – Sodann kamen die Verfügungen hinsichtlich der Versetzung und Aufnahme der Kinder im Ostertermin B.II.1264 zur Verlesung.

Am 14. Juli fand in Gegenwart des Ortsschulinspectors Pfarrer Falter eine Revision der Schule und eine allgemeine Abschlachtung (korrekt abgeschrieben) der Lehrkräfte durch den neu ernannten Regierungs-Schulrat Dr. Wolfgarten aus Arnsberg statt. Der genannte Wolfgarten, welcher vorher Gemeindedirector in Elten und darauf Kreisschulinspector in Crefeld war, hat sich mit seltenem Schneid (korrekt abgeschrieben) hier eingeführt. („Abschlachtung“: Wiktionary: niedermachen)
Am 15. Juli 1900 ist eine Denunziation Hatzig-Brockmeier von Unbekannt nach Arnsberg abgegangen, in welcher denselben zur Last gelegt wird, am 16.6.1900 nachts 2 Uhr Arm in Arm nach Hause gegangen zu sein. (Aktenkundig ist nicht der Weg und das Woher; vielleicht aus dem „Vereinshaus“, von Pfarrer Falter gebaut worden, wo auch Lehrerinnen hin „ausgehen“ durften…)
II. Randverfügung des Schulrats Hüser, dass eine Versetzung der einen oder anderen Lehrkraft stattfinden möge, da eine energische Verwarnung am 15.6.1900 nicht gefruchtet zu haben scheine und die Lehrkräfte einen intimen Verkehr jedoch ohne böse Nebengedanken zugestanden hätten. Die Verfügung datiert vom 16.7.1900 und trägt die Nummer 921.
III. Randverfügung der Königlichen Regierung Abt. II Michaelis und Wolffgarten d.d. 25. J. cr. B.II.4814 an den Ortsschulinspektor in Freienohl, den Denunzianten zu vernehmen.
IV. Randbericht des gen. Ortsschulinspektors vom 28.J.00 dahin, dass Denunziant nur seine Aussage hinsichtlich des späten Nachhausegehens aufrecht hält, dagegen die Führung per Arm leugnet. Der Pfarrer Falter gibt in Folge dessen anheim, die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen und namentlich von einer Versetzung z.Z. abzusehen, da die energische Verwarnung unterm 14.7.00 ihre guten Früchte tragen werde.

1901
Am 14. Februar fand von der Regierung (vergl. V.s.) eine außerordentliche Prüfung der Schule der Lehrer Eickelmann und Hatzig statt, weil dieselben den Anforderungen nicht in Allweg (alllen Wegen?) entsprochen hätten. Namentlich konnte Lehrer Hatzig keinen Lehrbericht vorlegen, auch haperte es im Unterricht. Bei Lehrer Eickelmann waren damals erhebliche Mängel entdeckt. – Bei der heutigen Nachprüfung ging der Hatzig ohne Gene durch (zeitbedingte Bedeutung: Wiederholung?), während Eickelmann wieder nicht bestand. Auch hatte er sich dadurch grobe Verstöße zuschulden kommen lassen, dass er kein Strafverzeichnis geführt und die Versäumnislisten mangelhaft ausgefüllt hatte. – Da er bei Gelegenheit dieser Nachprüfung zudem einen heftigen Ton gegen den revidierenden Kreisschulinspector Schulrat Hüser anschlug, wurde ihm von demselben das Consilium abeundi erteilt (Befehl zum Hinausgehen, den Raum verlassen) und außerdem eine Ordnungsstrafe angedroht. – Am 21 März wurde nun dem Schulvorstand in einer Sitzung der nicht günstig gehaltene Revisionsbericht und die aus diesem Anlass an den Eickelmann erlassene Regierungsverfügung d.d. 28. Februar 1901 B.II. 1256 vorgelesen und zugleich mitgeteilt, dass der Eickelmann in eine Ordnungsstrafe von 20 Mark genommen sei. Es wurde in der Verfügung ausgeführt, dass von einer höheren Bestrafung trotz der vorhergegangenen Vorstrafe abgesehen sei mit Rücksicht auf seine Familie, die unter dem Abzug des Geldes zu leiden habe und im Wiederholungsfall die Disziplinar-Untersuchung mit der Spitze auf Dienstentlassung in Aussicht gestellt.
Ein tragisches Geschick kam über die Lehrerin Brockmeier, da sie am 15. April a.cr. (anno currente: im laufenden Jahr: 1901) unter Nr. B. II. 2309 definitiv angestellt wurde und am 28. Juli bereits aufgrund eines ärztlichen Zeugnisses des Arztes Max Baruch in Paderborn d.d. 21. Juli gen. J. (genannten Jahres: 1901) um einen 9 monatlichen Urlaub hinkam. Sie hat denselben am 30. Juli angetreten, ist am 5. August von hier abgereist und hat am 6. August, dem Tage der Kreisconferenz in Hüsten, die Cur in Lippspringe begonnen.
Mit ihrer Vertretung wurde Frl. Franziska Vollmers durch Verfügung der Regierung d.d. 3. August Nr. B. II. 5885 II betraut. Frl. Vollmers ist aus Grafschaft gebürtig und erhält für die Vertretung monatlich 75 Mark. Mit Beginn des Winter-Semesters ist sie indes nach Wehrstapel, Pfarrei Eversberg versetzt; an ihre Stelle trat Frl. Wilhelmine Wippig aus Buenke, angestellt durch Verfügung des Kreisschulinspectors d.d. 21.10.1901 Nr. 1303.

1902
Am 9. März 1902 starb der seitherige Ortsschulinspector Pfarrer Julius Falter. -  Auf 4 Schulklassen waren Vertretungen angeordnet. Mit Beginn des neuen Schuljahres übernahm die erste Lehrerstelle der Lehrer Josef Heinemann, seither Lehrer in Bödefeld. Derselbe wurde durch die sogen. Hufeberechtigten, welche für sich das Recht zur Wahl der ersten Lehrerstelle beanspruchen, gewählt. - Hufeberechtigte: Haus- und Grundstückbesitzer. -  Heinemann wurde ernannt, aber das Recht der Wahl von der Regierung den Hufeberechtigten abgesprochen. Die Anstellung des Amtsvorgängers Lehrers Hatzig war nach erfolgter Wahl von der Regierung auf Grund der Wahl verfügt. Die sogen. Hufeberechtigten wollen auf dem Klagewege gegen die Regierung zur Anerkennung des alten Rechtes vorgehen. – Desgleichen wird eine Trennung der Küsterstelle, die seither mit der ersten Lehrerstelle verbunden ist, angestrebt. Die Verhandlungen sind durch den Kirchenvorstand unter dem Vorsitz des Pfarrverwesers Kellner eingeleitet, aber noch nicht zum Abschluss gebracht, werden auch wohl nicht eher erledigt werden können, bis der Streit über das Wahlrecht entschieden ist.

Am 11. Juni erhielt der neue Pfarrer Steimann, eingeführt am 4. Juni cr. die Ernennung zum Ortsschulinspector zu Freienohl.
An den Schulen sind z.Z. tätig: 1. I. Knabenklasse, Lehrer Heinemann; 2. I. Mädchenklasse, Lehrerin Brockmeyer; 3. I. Mittelklasse, Lehrer Eickelmann; 4. II. Mittelklasse Lehrerin Breer; 5. Sammelklasse, Lehrerin Stemen.
Am Samstag d. 26. Juli wurde der Lehrerin Brockmeyer ein erneuter Urlaub vom 1. August bis zu den Herbstferien bewilligt auf Grund eines Zeugnisses des Medizinal-Rates Dr. Röper zu Arnsberg. Die Lehrerin Brockmeyer, die in der Schule sehr eifrig und gut wirkt, ist lungenleidend. Mit der Vertretung wurde die Schulamtskandidatin Agnes Steimann aus Bettinghausen, welche zu Ostern das Examen für Volks-, mittlere und höhere Mädchenschulen in Münster bestanden hatte, betraut. Die Remuneration wurde auf 75 Mark pro Monat festgesetzt.

Desgleichen wurde an die Königliche Regierung das Ersuchen gerichtet, die fünfte Stelle, welche zu Ostern als Lehrerstelle errichtet ist, in eine Lehrerinnenstelle umzuwandeln, einmal, weil Lehrermangel vorhanden ist, und dann, weil nach der Ansicht des Schulvorstandes die Tätigkeit einer Lehrerin bei den Schulanfängern vorteilhaft ist. Auch die pekuniäre Seite wurde als Grund für die gewünschte Umwandlung berührt. (Eine Lehrerin ist preiswerter als ein Lehrer, damals.) Dieses Ersuchen des Schulvorstandes wurde jedoch nicht (unterstrichen) genehmigt.

Die Lehrerin Breer knüpfte schon im Sommer 1902 ein Verhältnis an mit einem Sohn des Holzhändlers Schwefer. Da dieselbe das Verhältnis in einer Weise betrieb, dass die Sache (!) anstöíg wurde, wurde sie zur Vorsicht ermahnt. Die Verwarnungen halfen jedoch nur wenig. Im Carneval 1903 fuhr dieselbe nach Köln, wo ihr Verehrter seiner Militärpflicht genügte und ließ die Schule im Stich. Es erfolgte eine energische Verwarnung der Regierung. Dieselbe wurde jedoch nicht weiter beachtet. Im Jahre 1903 nach der Rückkehr des Schwefer nahm die Sache eine solche Gestalt an, dass von einer gedeihlichen Wirksamkeit in der Schule nicht mehr die Rede sein konnte. Die Breer wurde zum 1. Januar 1904 nach Hachen, die Grote nach hier versetzt. Breer kündigte ihre Stelle zum 1. Appril des Jahres. Grote lehnte die Stelle hier ab. Die Lehrerin Steimann hier zu behalten, ging nicht an, weil sie die Schwester des Ortsschulinspektors sei (Königliche Regierungsansicht). Inzwischen hatte die Lehrerin Breer sich noch verschiedene Sachen zu Schulden kommen lassen, so dass dieselbe am 5. Februar 1904 aus dem Dienst entlassen wurde. Sie hat dann in der Fasten(zeit) in Essen den Emil Schwefer geheiratet.

Ein weiterer Beitrag zur Skandalchronik der Lehrerinnen in Freienohl! (Welch eine Interpretation!)
Die Lehrerin Stamen wurde Herbst 1902 nach Eisborn versetzt. An ihre Stelle trat die Lehrerin Steimann vertretungsweise. An Stelle der Lehrerin Breer wurde die Schulamtsbewerberin Gertrud Köster aus Blankenrode Pfarrei Meerhoff zur Lehrerin einstweilig ernannt. Dieselbe kam aus dem Seminar in Paderborn und traf am 25. Februar hier ein. Am 9. März wurde dieselbe vereidigt und vorschriftsmäßig in ihr Amt eingeführt.

Der Lehrer Eickelmann erhielt am 20. Februar eine Strafverfügung von 15 Mark, weil er den Schüler Nolte, Ewald mit dem Turnseil gezüchtigt hatte, so dass der Schüler erkrankte. Gleichzeitig wurde ihm die Disziplinaruntersuchung und Dienstentlassung angedroht, dass das Ergebnis der letzten Revision fast ungenügend war und das Maß der Geduld der Regierung mit seinen Verfehlungen, Pflichtwidrigkeiten und schlechten Leistungen erschöpft sei.

Mit Ostern 1904 ging die Lehrerin Agnes Steimann nach Dortmund. An ihre Stelle trat als Vertreterin die Lehrerin Dane aus Neheim.
Zu Ostern wurde eine 6. Stelle gegründet und zwar eine Lehrerinnenstelle, welche von der Lehrerin Dane kommissarisch verwaltet wird. Am 15. Mai 1904 wurde der Lehrer Franz Hanebrink aus Gellinghausen Pfarrei Bödefeld, wo er 8 Jahre tätig war, nach hier versetzt und am 18.5. vorschriftsmäßig in sein Amt eingeführt. Somit sind 6 Lehrkräfte hier tätig, 3 Lehrer und 3 Lehrerinnen.
Ostern dieses Jahres wurde an das Schulgebäude an der Öventroper Straße (mit „Ö“; später Altes Feuerwehrhaus und an der Hauptstraße) ein Erweiterungsbau angefügt. Die beiden Klassenzimmer sollen nach den Herbstferien bezogen werden. Da 6 Klassen in 4 Lokalen unterrichtet werden müssen, fängt die Hl. Messe an den Wochentagen um ½ 7 Uhr an. Die beiden Oberklassen haben nur vormittags Unterricht.

1905
Das Schuljahr 1905 verlief verhältnismäßig ruhig. Wie meistens war auch in diesem Jahr der Lehrer Eickelmann derjenige, der sich an einen geordneten Unterrichtsbetrieb nicht gewöhnen wollte. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit setzte er den Unterricht aus und musste deshalb wiederholt vom Ortsschulinspektor verwarnt werden. Ergrimmt reichte er bei der bischöflichen Behörde eine Anklage gegen den Ortsschulinspektor ein. Dieselbe führte aus, dass er von dem Pfarrer mit „Hass, Lüge und Verleumdung“ verfolgt werde, beschuldigte ihn des Schnapstrinkens, Vernachlässigung der Seelsorge, Missbrauch des Beichtstuhls und anderer Sachen. Dem Lehrer wurde die entsprechende Antwort gegeben von der geistlichen Behörde. – Die ist nicht aktenkundig.

1906
Das Jahr ist bemerkenswert dadurch, dass 2 neue Lehrerinnen eintraten. Frl. Kenter sen. Und jun. Die ältere an Stelle der Lehrerin Brockmeyer, die einen Sohn, Emil, des Bauunternehmers Kessler von hier heiratete. Sie war eine fleißige Lehrerin, trieb aber im letzten halben Jahr die Freierei (korrekt abgeschrieben) so stark, dass sie durch ihr Beispiel verdarb, was sie mit ihren Worten lehrte. Möge sie das Glück finden, das ihr im Lehrerinnenberuf nicht geblüht zu haben scheint!
Die Lehrerin Gertrud Köster wurde mit Beginn des Schuljahres 1906/07 nach Bruchhausen bei Hüsten versetzt. Dieselbe hat in den 2 Jahren ihres Hierseins in jeder Beziehung segensreich gewirkt, sowohl durch ihren ausgezeichneten Unterricht in der Schule,  als auch durch ihr frommes und eingezogenes Leben. Nur mit Bedauern sieht man sie scheiden. An ihre Stelle tritt mit dem neuen Schuljahr die Schulamtskandidatin Kenter jun, (später Kenter II) die Nichte der Frl. Franziska Kenter (später Kenter I) aus Westtönnen bei Werl. Sie kommt aus dem Lehrerinnenseminar zu Paderborn.

1907
Der Lehrer Eickelmann ist seit Herbst 1906 beurlaubt. Infolge eines (krebsartigen) Leberleidens kann er den Unterricht nicht mehr halten. Fraglich ist, ob er überhaupt wieder in die Schule gehen wird, was für die Schule kein Verlust ist. Lehrer Eickelmann hat weder an den Orten seiner früheren Wirksamkeit, noch auch hier Pflichteifer gezeigt, eben so wenig als er durch ein von einem katholischen verheirateten Lehrer zu erwartendes mustergültiges Beispiel gewirkt hat. Entschuldigend wirkt, dass er den Eindruck eines nicht ganz normalen Menschen machte. Seit Herbst (Okt.) 1906 vertritt ihn Helene Ziegenbalg aus Arnsberg, ein braves junges Mädchen (!).

Am 15. Juli fand eine Revision der Schulen durch den Regierungsrat Dr. Schofer Arnsberg statt. Das Ergebnis war folgendes: Glänzend fiel die Prüfung in den Klassen von Frl. Kenter I und Dame aus. Ebenso war es in den Klassen der Frl. Ziegenbalg und Kenter II, wenn bei den beiden ersten Jahrgängen überhaupt von einem Glanz gesprochen werden kann. – Leider waren die Ergebnisse der Prüfung in beiden Knabenklassen gleich kläglich (kläglich: unterstrichen). Der Religionsunterricht in der Oberklasse war durchaus unbefriedigend, wie der Regierungsrat mir erklärte (mir:!), ebenso mangelhaft waren die Leistungen in Rechnen und deutschen Unterricht. Der Unterricht machte den Eindruck, als ob er durchweg ohne genügende Vorbereitung erteilt würde.
In der Klasse des Lehrers Hanebrink kam es zu einem unangenehmen Zusammenstoß zwischen dem Lehrer und dem Regierungsrat, hervorgerufen durch eine ganz unangebrachte Gegenrede auf eine Bemerkung des Revisors. Das Ende der Prüfung brachte dann eine sehr scharfe persönliche Zurechtweisung des p.tt., verbunden mit einer scharfen Kritik  in sachlicher Beziehung. Der Ortsschulinspektor, der sich bei der Kritik der Leistungen des Hauptlehrers drückte, als ihm die Sache unangenehm anzuhören wurde, wurde gebeten, mit dem Hauptlehrer bei der sehr peinlichen Situation zu bleiben. Hoffentlich trägt die Revision bei beiden, die übrigens von besten Willen beseelt sind, gute Früchte.
Am 18. Juli war die Bezirkskonferenz hierselbst unter dem Vorsitz des Kreisschulinspektors Hüser.  Frl. Rosenbarg, Hellefeld, hat die Lehrprobe gehalten. Der Ortsschulinspektor (Pfarrer Steimann) hat an der Konferenz nicht teilgenommen, da dieselbe erst nach seiner Abreise bekanntgegeben wurde. Pfarrer Steimann wurde 1916 vom Bischof – höher - versetzt nach Paderborn zur Gaukirche.
Am 18. August starb morgens 6 Uhr der Lehrer Johannes Moritz Eickelmann. Er hat mit Andacht die Hl. Sakramente empfangen. Den Pfarrer hat er für die mancherlei Scherereien, die er ihm durch sein Verhalten gemacht hat, um Verzeihung gebeten. R.i.p. (Requiescat in pace – Er möge ruhen im Frieden) Seine Witwe ist von hier nach Arnsberg verzogen.
Am 1. Dezember trat an seine Stelle der Lehrer Josef Heins, seither in Oelinghausen, ein frommes Blut. Er ist 51 Jahre alt und unverheiratet.

An dieser Stelle hört die Textfassung dieser Schulchronik auf, - ohne eine Schluss-Bemerkung. – Abschrift: Heinrich Pasternak.
Biographische Daten aus dem Heirats-Register Freienohl: Franz Kroh: geb. 22.08.1897 in Arnsberg, Heirat mit Johanna Sophia Noeke, geb. 10.o8.1906 in Freienohl, ohne Beruf, Heirat am 4.10.1927 in Freienohl. Lehrer-Dienst-Zeit in Freienohl: 1919 – 1963; gestorben am 25.06.1969 in Meschede.

Heinrich Pasternak, aktualisiert Januar 2025.