„Trauercafé“ -  Keiner ist eine Insel

10 Jahre immer wieder alte, immer wieder neue Lebens-Erfahrungen
Hier gilt: Drinnen schwatern, draußen schweigen!
Freienohler Kirchen-Geschichtliches von 2002 bis 2025
 
Keiner ist eine Insel, der eines Tages untertaucht vor dem Einerlei des Fernsehers, des Computers. - „Wir sind aber evangelisch!“ So fing einmal unser Trauercafé an. Die beiden uns unbekannten Damen aus dem benachbarten Bad Fredeburg wollten auch „so etwas“ anfangen.  „Macht doch gar nichts. Mein Mann ist bereits im Himmel.“ Damit wird schon deutlich: Organisatorisches, Neues, ganz Persönliches gehören seit Jahren zusammen. Alle sind informiert: zu jedem dritten Samstag-Nachmittag steht eine Woche vorher in der Westfalenpost, im Sauerlandkurier und natürlich in unserer Freienohler Homepage: freienohler.de. „Am … von 15 – 17.30 Uhr findet im Pfarrheim St. Nikolaus das monatliche Trauercafé statt. Herzlich willkommen ist auch, wer zum ersten Mal kommt. Gelöst und zugleich ernsthaft sitzen wir zusammen. Im persönlichen Gespräch, im kleinen Kreis. Beim Zuhören oder miteinander Erzählen von früher und heutzutage. Bei Kaffee und Kuchen. Mit vertrauensvollen, verschwiegenen und mit Trauer auch berufserfahrenen Mitmenschen.“
Das Wort Teammitglieder klingt kühl, die Wirklichkeit ist anders: 1 Dame mit den Jahre langen Erfahrungen unserer Gemeinde-Caritas, 1 Bestattungsmeisterin, 1 Lehrerin, von einer Intensivstation 1 Krankenschwester, 1 Psychologe (mehrere Jahre Referent zur Elternbildung für Trauerbegleitung bei verstorbenen Kindern seitens der Erzbischöflichen Schulabteilung).  Unsere Gäste: 10 bis 15 Damen, bis an die 90 Jahre. Dazu weniger Herren, vielleicht tun sie sich schwerer in solchen Gesprächen. Einmal erschien ein Anfang sehr holperig: „Ach, was soll´s! Jesus starb auch umsonst!“  Eine Antwort befreite: „“Umsonst heißt – sprachgeschichtlich – auch: gratis. Jesus lebte gratis. Also: Sie können jetzt gratis weiter leben, umsonst, dankbar in Erinnerung.“ Ein überraschtes Augen-Leuchten. - Manche fühlen sich aufgehoben in den Senioren-Cafés seitens unserer Schützenbruderschaft oder Caritas.
Die erste Trauerbegleitung wird bei uns geleistet vom in Freienohl gut bekannten Bestattungsunternehmen (mit seinen beruflich vielseitigen, organisatorischen Erfahrungen auch mit den anfangs notwendigen Behörden) und vom Pfarrer (beim Kondolenzbesuch, beim Requiem, bei der Bestattung und zumeist bei einem nochmaligen Besuch); Immer wird auch in unser Trauercafé eingeladen. Wenn dann ein neuer Gast erscheint, wird er von einem Teammitglied oder von einem anderen Gast persönlich bei uns eingeführt. Bewahrheitet hat sich bei uns die in der Fachliteratur geläufige Erfahrung: Gerade die persönlichen, oft unerwartet auftauchenden Einfälle von früher, eigenartig verknüpft mit nahezu Parallel-Begebenheiten – auch aus der Dorf- und Heimat-Geschichte – sind zur unverzichtbaren Lebenshilfe, Trauerbegleitung geworden. „Kontext verbunden“ heißt das fachsprachlich. Etwas praktischer: Es gibt für Erinnerungen einen nicht so angenehmen Wortgebrauch: „von der Vergangenheit heimgesucht werden“  -  „nicht noch einmal erleben, was man endlich überlebt hat“  -  „mein Herz weint dauernd“. Mit unseren Gästen wird solche Erinnerung, solcher Wortgebrauch ins Positive gewendet: „Das frühere Heim wird gern besucht“  -  „Über-leben heißt inzwischen Drüber-leben“  -  „mein Herz weint leise zufrieden an früher“. Das hängt zusammen mit dem zweiten Teil unseres Namens „Trauer-Café“: ins Café geht man gern, vor allem frau: „Gottes Himmel ist unendliche Auferstehung, kein irdischer Himmel; der ist nur naturwissenschaftlich berechenbar.“ So eine Kuchen schleckende TC-Gästin. Ein Gast ergänzte mit dieser Unterscheidung: „Mein Glauben und mein Glaube motiviert mich ins TC: mein Mehr-als-Wissen und mein alltägliches, ausdrücklich christliches Leben.“ Sofort ging’s weiter: kein Referat, sondern vielmehr Erzählen der glücklichen und traurigen Lebenserfahrungen. Drinnen schwatern, draußen schweigen. Genau christlich: keiner ist eine Insel.
Im Nachbarort gibt es ein ähnliches TC-Zusammensein:  das „Erzähl-Café“.
Textfassung: August 2012 von Heinrich Pasternak, TC-Leiter (TC-L), von ihm Fortsetzung: Februar 2025:
 
Beim Beginn der Corona-Pandemie (Dezember 2019) haben wir selbstverständlich unser TC, unser Trauer-Café gestoppt. Nahezu gleichzeitig erhielt der TC-L einen Post-Brief vom Dekanat-Meschede, nicht vom Pfarr-Büro Freienohl, mit dem Bescheid, die Schlüssel vom Pfarrheim, von der Kirche, der Sakristei und dem Schaukasten (draußen an der Hauptstraße) ins Pfarr-Büro Freienohl zurückzugeben. Als ehemaliger Ministranten-Ausbilder und Leiter (von 1987 bis 2010) und als Rosenkranz-Vorbeter (von 2006 bis Corona-Stopp) brauchte der TC-L und Rosenkranz-Vorbeter die Schlüssel. Schmunzelnd sei angemerkt: kein Telefonieren, kein Mailen vom noch klerikalen Tempelberg der Freienohler Twiete. - Zum Rosenkranzbeten in unserer St. Nikolaus-Kirche: dieses echt katholische Beten war die exquisite Leistung unserer Hiltruper Missionsschwestern Sr. Marialdis und Sr. Wilburgis bis 2006. Dann waren sie zu altersschwach und sie mussten sich versetzen lassen. Biographisches zu ihnen siehe Freienohler.de: Geschichts-Texte HP. Der übernahm dann das Rosenkranz-Gebet in unserer St. Nikolaus-Kirche: donnerstags oder freitags um 15 Uhr mit dem Läuten unserer Kirchen-Glocken 15 Minuten vorher, - bis zu Beginn der Corona-Pandemie. Mit der Schlüsselabgabe wurde dieses Trauer-Café und dieses Rosenkranzbeten in unserer St. Nikolaus-Kirche gestoppt, nicht von HP, bis 2024 und 2025 auch weiter.
Heinrich Pasternak, Februar 2025.