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Kirchengeschichten in Freienohl: Dient Gott Gottesdienst?
Dient Gott Zeichensprache? Außenlebende und Innenseiende.
An unserer St. Nikolaus-Kirche Vorbeigehende und Drinnenbleibende
Er/Sie ist – zum Beispiel – katholisch aufgewachsen: getauft, St. Nikolaus-KiTa, erste Heilige Beichte und Erstkommunion, Heilige Firmung, ähnlich: evangelisch…
Er/Sie mit 16, 18, 28, 48 Jahren geht an der Kirche vorbei, geht ins „Haus der Musk“ und probt im Orchester, - geht in die Schützenhalle und hilft beim Aufräumen, - trainiert bei unserer Freiwilligen Feuerwehr, - trifft sich mit Freunden und wandert hinauf zum Küppelturm und sie halten mal eben am Waldfriedhof, - sie gehen den unteren Küppelweg, schweigen vor der Küppel-Kapelle, denken an Tante Fine und gedenken der Traufkinder an der Kirchenwand, - sind „Gastwirte“ beim Senioren-Nachmittag im Pfarrheim und und umd… Ein 38-Jähriger war früher bei den Messdienern und eine 28-Jährige war eine der ersten Ministrantinnen. – Ein Feuerwehrmann sagt noch: „Wenn wir mit Heulen durch die Straßen eilen, dann betet 10 Minuten den Rosenkranz: Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat!“
Dient Gott Körpersprache? Gottesdienst dient Gott?
Eine alte Dame betet ein Gesätz vom Rosenkranz: „Jesus, der uns die Heilige Eucharistie geschenkt hat!“ - Sein ist gründlicher als Leben.
Zwei junge Frauen vor ihrer Sonntagsmesse: sie treffen sich gerade am Kirchen-Eingang: überzeugend Freude strahlend mit hocherhobenem Hand-Klatsch.Die eine geht deutlich hörbar durch den Mittelgang ziemlich weit nach vorn. Auf der rechten Seite huscht sie rasch in die freie Bank und setzt sich erst mal. Sie dreht sich ganz einfach nach hinten. Nach rechts, nach links. Streckt beide Hände freundlich lächelnd zu ihren besten Freundinnen. Die andere junge Frau beginnt geradezu selbstverständlich das ziemlich alte Glaubens-Bekenntnis mit einigen deutlichen Glaubens-Zeichen: Am Weihwasserbecken hält sie an. Sie taucht ihre Fingerspitzen in das geweihte Wasser. Dann macht sie über sich das große Kreuzzeichen: auf ihre Stirn, auf ihren Leib, auf ihre rechte und linke Schulter. Sichtbar und doch unhörbar flüstert sie den Segen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Leise schreitet sie durch den Mittelgang. Fast auf der Höhe ihrer Freundin bleibt sie stehen. Sie macht eine Kniebeuge bis auf den Steinfußboden. Nicht lässig. Nicht verkrampft. Sondern ganz ruhig mit ihrem Blick zum Altar, zum Tabernakel. Dann geht sie in die Bank, - natürlich nach links. Kniet und faltet ihre Hände. Wie schon fast immer: links ist die Frauen-Seite, rechts die Männer-Seite. Da ist ja auch noch viel Platz. Extra für die Frauen. Die Männer sind woanders. Da dienen auch sie Gott direkt. Und direkt bei dem Schützen-Hochamt, - mit noch ein paar anderen Männern. Da, die kleine Glocke schellt. Die Orgel grüßt zur Eucharistiefeier. Alle stehen auf. Ihr Gottesdienst dient Gott.
Zur Freienohler Kirchengeschichte gehören auch diese Erinnerungen: an das Rosenkranz-Beten in unserer St. Nikolaus-Kirche und an das Trauer-Café im Pfarrheim, abgekürzt TC; beides leitend organisiert vom selben Betreuer (H.P.), im Auftrag von Pfarrer Michael Hammerschmidt (2000 – 2024) bis zum Stopp und Schluss durch die Corona-Pandemie und Pfarrer Michael Hammerschmidt im Jahr 2019. Das Rosenkranz-Beten wurde übernommen von unserer Hiltruper Schwester Marialdis; mehr über sie in Freienohler.de: Frau, Frauen in Freienohl, u.a. Das Rosenkranz-Beten fand wöchentlich statt donnerstags oder freitags um 15 Uhr in unserer St. Nikolaus-Kirche; 15 Minuten vorher wurden die Kirchenglocken geläutet. Das Rosenkranz-Beten ist ein abendländisches und europäisches Gebet aus dem 13. Jahrhundert. Pfarrer Werner Gerold (1983 – 20000) hatte mal bei sich eingeladen zu einer Kontakt-Begegnung über den Rosenkranz. Ein paar Interessierte waren gekommen. Pastor Gerold hielt keinen Vortrag, alles sah nach einer Bastel-Stunde aus und ging los mit den kleinen Holz-Kreuzchen, 5 x 3 cm, den roten Bändern, 25 cm, und Bet-Perlen. Zuerst ein Kreuz mit einem Band verknoten, dann 1 Vaterunser-Perle, 1 Knoten, 3 Ave-Maria-Perlen: Glaube, Hoffnung, Liebe, 1 Knoten, 10 Ave-Maria-Perlen für 1 Gesätz, verknoten vor 3 Ave-Maria-Perlen, fertig. Ohne ein Spirituelles Referat, mit vielen persönlichen, christlichen Einfällen an Maria, die Mutter Gottes: „Jesus, der der jungen Familie die Kirchen-Tür ganz, ganz offenhalte!“ – „Jesus, der die Leute veranlasse, nicht mehr „Ogoddogoddogoddo“ zu sagen!“ – „Jesus, Dein Heiliger Geist möge die Gebildeten vom philosophischen Denken weiter zum theologischen Glauben motivieren!“ Das Trauer-Cafè, TC, war mehr als ein gemütliches Zusammensitzen bei Kaffee und Kuchen. Oft gab es abgesprochen einen von einer Frau selbstgebackenen Kuchen; sehr lecker, freilich „voll Power“, also nur 3 Stücke genießen. Dafür allerdings das Miteinandersprechen und aufeinander Zuhören. Denn Referate über Traurigkeit waren nicht NOT-wendig. Ob deswegen mehr Frauen als Männer zusammen kamen? Sicher. Eine Frau stöhnte mal etwas unwillig: „Mein Mann ist im Himmel, Was kann ich nun machen?“ – „Machen Sie mit in unserer Caritas oder Diakonie oder bei der Migrations-Familien-Bildung, beim Reden, Lesen, Schreiben der Kinder und Mütter, bei ihrem Einkaufen.“ … Eine andere Frau: „Mein Mann ist im Himmel, eine seltsame Sache,“ – „Für unsere Verstorbenen ist der Himmel keine Sache. Christlicher Glaube ist mehr als naturwissenschaftliches Denken!“ Echt TC!
Fast am Ende von Corona wurde das Rosenkranz-Beten und das Trauer-Café abgebrochen: der Betreuer-HP musste seine Kirchen-, Sakristei- und Pfarrheim-Schlüssel im Pfarrhaus abgeben. Schluss.
Keine ausdrückliche Kirchengeschichte ist für Freienohl das „Jubiläumsbuch Freiheit Freienohl: 1272 – 2o22: 750 Jahre liebenswertes Freienohl“, herausgegeben vom Förderverein Freienohl e.V., 2022, Verlag Becker, Arnsberg, 212 Seiten. Berichte und viele Bilder, Fotos von 33 Vereinen, Verbänden, Gemeinschaften, Gemeinden. Ihre Mitglieder gehören oft zu den katholischen oder evangelischen Gemeinden. – Ein kirchengeschichtliches Anhängsel zu den Seiten 22 – 24 dank des Erzbischöflichen Archivs in Paderborn, EBAP: der bescheiden lebende Pastor Werner Gerold hatte gemeinsam mit seinem Gemeinde-Vorstand und Pfarrgemeinderat in unserer St. Nikolaus-Kirche den pompös herrlich und viel zu großen Hauptaltar sinnvoll verkleinern lassen; überflüssige Fuß-Steine wurden zu Grund-Stützen des neuen Altars auf dem Gottesdienst-Platz neben unserer Küppel-Kapelle.
Das wohl schönste, attraktivste und bilderreichste Freienohler Bilder-Kirchengeschicht-Buch: am schönsten für Vrigenoler, alte und junge Freienohler und alle Buiterlinge: „Schöne Erinnerungen – 100 Jahre Ansichtskarten von Freienohl aus einer Sammlung von Dieter Schwefer und aus dem Archiv von Renate Voß, zusammengestellt von Reimund Gerke“ bis 2o1o, Herstellung Becker-Druck Arnsberg. Am Schluss stehen auf zwei Seiten und je einer Seite ein Text mit dieser Überschrift: „Ein Ausschnitt von einem siebzigjährigen Klassentreffen, die 1883 geboren waren: Die wichtigsten Ereignisse in unserem Leben“ und „Wie sah es in Freienohl 1882 aus, wo wir geboren wurden?“
Genau so erstaunlich und wunderbar und zusammen genommen ist jetzt das Sehen und Schauen aller Bilder und Bilder-Galerien auf Freienohler.de. Danke Karl-Heinz Kordel und Sebastian Severin und den Taler-Spendern! – Kirchengeschichtliches entdeckt, wer auf der ersten Seite „Aktuelles“ mal 30, 40 Überschriften liest. Den hinter den unzählbaren Freienohlern steckt unausgesprochen ein Zitat von Thomas von Aquin (1225 – 1274, auch Phil.- und Theol.-Prof. in Köln), hier auf Deutsch: „Ich will das für dich Gute und ich tu das für dich Gute!“ Das ist kurz formuliert und christlich: Nächstenliebe.
Plötzlich tauchten Erinnerungen auf, manchmal zum Kopfschütteln, manchmal zum Schmunzeln, zum Staunen: Unsere St. Nikolaus-Kirche gesehen, gewertet vom Kirchenschiff aus nach vorne, von der rechten Männer-Seite und der linken Frauen-Seite, noch nicht mit dem „Lumen gentium – Licht für die Völker“ vom Zweiten Vatikanischen Konzil, 1962 – 1965,, zur „Erneuerung des Volkes Gottes und der Religionsfreiheit und der bürgerlichen Staatsordnung“. Also noch nicht und gesehen vom Kirchenschiff, von den Knie-Steh-Sitz-Bänken: vorne hinter den Kommunion-Bänken, kirchenamtlich rechts hing vom Himmel herab, befestigt an der Kirchenwand neben der Sakristei-Tür die Kanzel. Später stand sie dort ganz fest auf dem Kirchfußboden. Immer noch Macht Herr-lich erhöht. Nach dem Zweiten Vatikanum, 1966, ist die Kanzel abgebaut worden. Auf die linke Seite kam der Ambo, das kirchlich exquisite Rednerpult, etwas ganz Besonderes für den Herrn Pastor. Von hier hat er fast auf gleicher Höhe die Frauen im Blick, kann sie anstrahlen, flappsich anlächeln, ist glücklich bei ihrem Lächeln. – 60, 80, 100 Jahre vorher war beim Gottesdienst der Platz der Schulmädchen vorne in den ersten Bänken links, rechts für die Schulknaben, so hießen früher die Jungen. Auf diese achtete besonders der Küster im Mittelgang mit seinem „Hiirtenstab“. Wenn da während der Predigt Knaben am Schwatern waren, dann drückte der Küster mit seinem langen Stock ihren Rücken und sie duckten sich. Gottesdienst. Ora et labora – Bete und arbeite! Vollständig vom Benediktiner-Orden: Ora et labora et studia – Bete und arbeite und lerne!
Also kirchengeschichtliche Praxis auch heutzutage: Sonntags-Hochamt für Sonntags-Hochamt in der Abtei-Kirche Königsmünster in Meschede. Schließlich sauerländisch: Man tau!
Heinrich Pasternak, aktualisiert Januar 2025.